Bei den letzten beiden Lohnabrechnungen hat sich so mancher Zusteller, hat sich so manche Zustellerin gefragt, warum denn plötzlich deutlich weniger auf das Konto überwiesen wurde als bisher.

Leider mussten viele Kolleginnen und Kollegen feststellen, dass das Kilometergeld gekürzt wurde. Wie kann das sein?

Bisher wurde das Kilometergeld entweder nach vor langer Zeit irgendwann einmal hinterlegten Daten oder aber nach einer im Bezirk vorgenommenen GPS-Messung berechnet und auch bezahlt. Dabei war es in der Vergangenheit oft so, dass auch die zu Fuß zurückgelegten Strecken mit Kilometergeld vergütet wurden.

Das Kilometergeld ist kein Lohn im eigentlichen Sinn, sondern eine Aufwandsentschädigung für die mit dem privaten motorisierten Fahrzeug für den Arbeitgeber zurückgelegten Strecken. Der Arbeitgeber ist daher auch nur verpflichtet, Kilometergeld für tatsächlich mit KFZ zurückgelegte Strecken zu zahlen.

Allerdings fragen wir uns schon, wonach unser Arbeitgeber so genau berechnen kann, welche Strecken in welchem Bezirk tatsächlich mit dem motorisierten Fahrzeug zurückgelegt werden. Denn jeder Zusteller stellt seinen Bezirk anders zu, teilweise sogar jeden Tag unterschiedlich, je nachdem wieviel Zeitungen zuzustellen sind bzw. wie dick diese Zeitungen sind. Ohne Nachfrage beim Zusteller ist eine genaue Beurteilung der gefahrenen Kilometer gar nicht möglich. Trotzdem wurden in vielen Bezirken die Kilometergelder teils drastisch zusammengestrichen, ohne aber mit den betroffenen Zustellern vorher Kontakt aufzunehmen. Angeblich wurden die Bezirke mit Google Maps einzeln vermessen. Wer jemals versucht hat, mit Hilfe dieses Programms eine definierte Strecke auszumessen, weiß, dass Bezirksleiter solch eine Berechnung in der ihnen zur Verfügung stehenden Arbeitszeit nicht in großem Umfang durchführen können.

Unser Rat als Betriebsrat an Euch: Schreibt Euch jeden Tag die in Eurem Bezirk / in Euren Bezirken gefahrenen Kilometer auf, auch die Strecken zwischen zwei Abladestellen: Von der ersten Abladestelle bis zum letzten Kunden. Dies könnt Ihr entweder mit Hilfe des Tageskilometerzählers tun oder aber Ihr nehmt elektronische Hilfe in Anspruch (es gibt entsprechende Apps fürs Handy). Springer beginnen mit der Messung schon an der Haustüre und enden auch dort wieder.

Wenn Ihr feststellen solltet, dass man Euch nicht die volle Aufwandsentschädigung zahlt, die Euch zusteht (also weniger Kilometergeld bezahlt als Euch tatsächlich zusteht), dann verlangt bei Eurem Bezirksleiter die Vermessung mit Hilfe eines GPS-Gerätes. In unserer Betriebsvereinbarung steht dies als Mittel zur Lösung von Konfliktfällen.

Wie berechnet Ihr die Euch zustehende Aufwandsentschädigung? Zählt die Zustelltage des betreffenden Monats (Vorsicht bei Feiertagen) und berücksichtigt auch, ob Ihr an allen Zustelltagen tatsächlich Zeitungen zugestellt habt (Vorsicht bei Urlaub und Krankheit): Hier nochmals die Formel:

Kilometergeld = 30 Cent pro Kilometer
                      mal     Kilometer pro Zustelltag
 mal     Zustelltage 
         (an denen Ihr wirklich zugestellt habt)

Das Ergebnis Eurer Berechnung ist Euer Anspruch auf Aufwandsentschädigung für die Fahrten mit Eurem motorisierten Fahrzeug. Stimmt dies nicht mit der erhaltenen Kilometergeldzahlung überein, müsst Ihr reagieren (s.o.).

Wir schreiben hier bewusst „motorisiertes Fahrzeug“, denn nach unserer Betriebsvereinbarung gilt der Anspruch für alle Kraftfahrzeuge, also neben dem Auto auch Mofa, Motorroller, Moped und Motorrad. Für die üblichen E-Bikes gilt dies allerdings nicht, da diese nur eine Motorunterstützung bieten, wenn man auch selber strampelt, nicht, wenn man nicht in die Pedalen tritt. Hier handelt es sich also nicht um motorisierte Zweiräder im eigentlichen Sinne.

Bei Problemen mit der Bezahlung der Aufwandsentschädigung oder der Überprüfung mit Hilfe eines GPS-Gerätes wendet Euch bitte an Euren Betriebsrat.