Aus dem Alltag der Zeitungszustellung. Kaum zu glauben, aber wahr. Es gibt Merkwürdigkeiten, über die man sich (nicht) wundern darf.

Ein Zusteller hat uns folgenden Text an die Bezirksleitung bezüglich einer Reklamation weitergeleitet:

„Hallo …, laut Info vom 19. Juli soll die Zeitung nicht mehr zur Hausnummer 48 sondern zur 43 gebracht werden.

Die Reklamation von Gestern bezieht sich auch auf die Hausnummer 43, zu der die Zeitung auch geliefert wurde.

Hatte dem Kunden aber in den Briefkasten Haus 48 eine Nachricht eingeworfen das die Zeitung auf die 43 umbestellt wurde.

Heute fand ich die Nachricht des Kunden am Briefkasten Hausnummer 43, dass die Zeitung in die Hausnummer 48 gehört.

Wer auch immer diese Adresse bearbeitet hat, möge die doch umgehend wieder in Ordnung bringen."

Die Bezirksleitung wurde nicht aktiv; schließlich hatte sie die Adresse nicht bearbeitet. Woher kommen die Fehlmeldungen? Es gibt mehrere Möglichkeiten und sogar Ausreden.

Jemand hat eine Sehschwäche und kann eine 3 nicht von einer 8 unterscheiden. Es war ein Tippfehler. Der Drucker war kaputt oder die Tinte war alle. Genannte Möglichkeiten in vorliegendem Fall sind allerdings sehr unwahrscheinlich. Davon zeugen mehrere Zustellermitteilungen des Arbeitgebers im Dumont-Konzern. Anzunehmen sind andere Ursachen.

Zum Hintergrund für eine andere Spekulation: Der DuMont-Konzern will die Printmedien, so auch den Kölner Stadtanzeiger wegen fehlender Gewinne besonders aus dem Anzeigengeschäft aufgeben und sich profitableren digitalen Geschäftsfeldern zuwenden. Dafür braucht Dumont ein attraktives Portfolio, das, wie der Vorstandschef Dr. Christoph Bauer gegenüber der Belegschaft mehrfach erklärte, unter anderem aus einer umfangreichen Datensammlung über seine bisherigen Kunden bestehen soll. Dabei geht es um die Generierung von Gewinnen aus Werbung. Simpel gesagt, wenn man von seinem Kunden wüsste, dass er Tiere mag, ob nun Wauwau oder Miau, könnte man ihn zielgenau für Geld bewerben; entweder mit Hunde- oder Katzenfutter.

Es werden immer mehr Informationen und Daten gesammelt, die mit dem eigentlichen Zeitungsabonnement nichts zu tun haben. So auch in vorliegendem Fall mit der falschen Lieferadresse. Zur Erklärung gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine wäre: Vor Jahrzehnten lebte der Vater des Abonnenten im Haus Nr. 43 und hat dort auch wohl eine Zeitung gelesen. Dass dieser Sachverhalt zig Jahre später zu einer Adressänderung geführt haben soll, ist unwahrscheinlich, aber möglich. Wahrscheinlicher ist eine zweite Variante, die der Kunde selbst benennt. „Vielleicht hat die Sachbearbeiterin beim Abbestellen für die Urlaubszeit … ja den Stress verursacht.“

Das könnte in Zukunft durchaus häufiger sein, wenn man Fragen stellt, die mit dem eigentlichen Zeitungsbezug oder dem Urlaub nichts zu tun haben. Etwa: Was sind Sie von Beruf? Seit wann üben Sie den Beruf aus? Wo befindet sich Ihre Arbeitsstelle? Usw..

Und was kommt dabei heraus? Unser Leser arbeitet im Haus Nr. 43, wohin die Zeitung irrtümlich geliefert wurde. Er wohnt aber im Haus Nr. 48! Und genau in diesem Haus Nr. 48 will er die Zeitung wie gewohnt auch weiterhin lesen und eben nicht bei der Arbeit im Haus Nr. 43.

Hätte die Kundenbetreuung – aus welchen Gründen auch immer – die Lieferadresse nicht geändert, wären dem Leser und auch dem Zusteller der wochenlanger Stress erspart geblieben.