Laut Wikipedia ist das Unternehmerrisiko die Gewinnchance oder Verlustgefahr, die sich aus der unternehmerischen Betätigung ergibt.

In der Betriebswirtschaftslehre ist logischerweise ein zentraler Punkt, die Verlustgefahr möglichst zu minimieren.

Bis zur Einführung des gesetzlichen Mindestlohns gab es hierzu einen einfachen und von fast allen Zeitungszustellgesellschaften genutzten Weg.

Unternehmerrisiko bei Stücklohn

Durch die Vergütung der Zusteller/innen nach Stücklohn wurde ein Großteil des Unternehmerrisikos auf die Arbeitnehmer abgewälzt.

Hatten sich beispielsweise durch den allgemeinen Aborückgang oder sonstige Umstände die Stückzahlen in einem Bezirk halbiert, so wurde auch nur der halbe Stücklohn gezahlt. Die Kosten pro Abo für die Zustellgesellschaft blieben fast unverändert.

Zusätzlicher Vorteil für den Arbeitgeber war, dass die Strecke zwischen zwei Bezirken zwar schon immer Arbeitszeit war, aber durch den Stücklohn hierfür kein Arbeitslohn fällig war.

Auch nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ist ein Stücklohn zwar noch erlaubt, es muss aber sichergestellt werden, dass der gesetzliche Mindeststundenlohn erreicht oder überschritten wird.

In der Folge haben nahezu alle Zeitungszustellgesellschaften daher ihr Vergütungssystem auf Stundenlohn umgestellt.

Unternehmerrisiko bei Stundenlohn

Bei obigem Beispiel (Halbierung der Abozahlen) muss der Zusteller / die Zustellerin trotzdem im Bezirk eine nahezu unveränderte Strecke zurücklegen. Er wird daher deutlich mehr als die Hälfte der Zeit benötigen. Wird beispielsweise noch dreiviertel der Zeit benötigt, so steigen die Kosten pro Abo für den Arbeitgeber um 50%.

Der große Vorteil für die Arbeitnehmer und ein weiteres Problem für den Arbeitgeber ist dann, dass der Arbeitgeber nicht einfach die Vergütung auf dreiviertel reduzieren darf.

Mit Eurem Arbeitsvertrag verpflichtet Ihr Euch, eine bestimmte Arbeitsleistung zu erbringen. Der Arbeitgeber verpflichtet sich im Gegenzug, die abgesprochene Arbeitsleistung zu vergüten.

Der Arbeitgeber kann die Arbeitszeit daher nur einvernehmlich mit Euch ändern.

Auch eine eventuell schon im Arbeitsvertrag festgelegte Möglichkeit zur einseitigen Reduzierung der Arbeitszeit ist nur in engen Grenzen möglich.

Beispiel: Ihr habt einen Arbeitsvertrag über täglich 2 Stunden (bzw. 12 Wochenstunden). Die von Euch benötigte Zeit in Eurem Bezirk ist aber inzwischen durch Aborückgang auf 1h30min gesunken.

Seid Ihr mit einer Reduzierung Eurer Arbeitszeit nicht einverstanden, bietet also weiterhin täglich 2 Stunden Arbeitsleistung an, so muss der Arbeitgeber auch diese 2 Stunden vergüten (sogenannter Annahmeverzug).

Ansonsten muss er den riskanten Weg über eine Änderungskündigung einschlagen.

Der Arbeitgeber kann aber natürlich auch versuchen, die Arbeit für die einzelnen Mitarbeiter möglichst unverändert zu halten.

Bei Zeitungszustellgesellschaften bieten sich hier zwei Wege an:

  • Akquirierung von zusätzlichen Zustellobjekten
  • Neuzuschnitt der Zustellgebiete

Aufgabe des Betriebsrates als Arbeitnehmervertretung ist es, bei solchen Vorhaben die Belange der Arbeitnehmer im Auge zu halten.

Bezüglich der Verteilung von zusätzlichen Zustellobjekten habt Ihr schon Erfahrungen mit einigen Zeitschriften machen können (s. auch Artikel „GONG, da geHÖRte keine mehr daZU“).

Bezüglich des Neuzuschnitts der Zustellgebiete startet demnächst ein zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung per Betriebsvereinbarung abgesprochener „Testlauf“ in einem begrenzten Zustellgebiet.

Die „betroffenen“ Mitarbeiter/innen sind Anfang 2021 per Brief in einem gemeinsamen Schreiben von Geschäftsführung und Eurem Betriebsrat informiert worden. Den genauen Wortlaut findet Ihr auf unserer Homepage unter „Downloads“.

Bei Rückfragen steht Euch der Betriebsrat natürlich gerne zur Verfügung.

Wie und wann dieser Neuzuschnitt auch im Rest der RZZ Köln Rheinland umgesetzt wird, kann letztendlich erst nach Auswertung des Testlaufs frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 entschieden werden.